Sammlung Picasso / Mourlot

Plakatsammlung der Galerie Am Spalenberg


Das Künstlerplakat
 
 
Das Plakat, eine öffentliche Bekanntmachung, ist ein, auf eine Mauer, einen Zaun oder eine Säule geklebter Papierbogen mit auf das Wesentliche reduziertem Bild und Text, der  aufmerksam machen, Interesse wecken soll, aber nicht auf  Dauer angelegt ist.
 
Die heutigen Graphiker und Werbezeichner  betrachten das Plakat als ein primär ihrem Métier der Gebrauchsgraphik zugehörige Aufgabe.  Diese Grenze wurde aber seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert von bildenden Künstlern immer wieder überschritten, indem sie ebenfalls Plakate schufen – Produkte, die sowohl dem Anspruch der öffentlichen Bekanntmachung wie der künstlerisch anspruchsvollen Gestaltung Rechnung tragen – und auf  die der Begriff „Künstlerplakat“ angewendet wird.
 
Mit dem Namen von Jules Chéret werden die Anfänge des modernen Bildplakats verbunden. Jules Chéret (1832-1932), Sohn eines Druckers, Lithograph, Maler und begabter Handwerker, vereinfachte die Technik der Lithographie derart, dass sie von ehemals 25 Lithosteinen auf  3 Steine reduziert werden konnte. (Was gleichzeitig  die Druckkosten senkte). Mit der vereinfachten Technik erzielte nicht nur Chéret mit seinen eigenen, fröhlichen Plakaten grosse Erfolge, sondern er machte die Technik auch den mit ihm befreundeten zeitgenössischen Künstlern Edouard Manet, Henri de Toulouse-Lautrec, Pierre Bonnard, Théophile Alexandre Steinlen, Alphonse Mucha, Eugène Grasset u. a. zugänglich. Zwischen 1896 und 1900 gab er ausserdem in der Druckerei Chaix die Collection „Les Maîtres de L’Affiche“ heraus, eine Sammlung der besten Pariser Künstlerplakate in verkleinerter Reproduktion. Damals entstanden bereits die ersten Plakatsammlungen. (Man erzählt, Picasso habe in seiner frühen Pariser Zeit als junger, armer und unbekannter Künstler nachts heimlich Plakate von Toulouse-Lautrec von Wänden abgenommen). – Chéret erhielt für seine Tätigkeit an den Weltausstellungen 1878 und 1889  eine Gold- und eine Silbermedaille. Ausserdem wurde er Mitglied der Ehrenlegion. Mit ihm, mit Toulouse-Lautrec, Bonnard und deren Zeitgenossen hatte das Künstlerplakat seinen ersten grossen Höhepunkt.
 
In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte das Künstlerplakat  kein eigentliches  Zentrum mehr. In Russland wären die Künstlerplakate der Avantgarde um El Lissitzky, in Holland diejenigen der Gruppe „de Stijl“ zu erwähnen, in Deutschland Käthe Kollwitz, die mit eindrücklichen Plakaten gegen den Krieg und soziale Not aufstand.
 
Nach dem 2. Weltkrieg erlebte das Künstlerplakat in Frankreich einen zweiten Höhepunkt. Es war wiederum eine Druckerei, welche sich zum Zentrum der Plakatkunst entwickelte: diejenige der Gebrüder Mourlot in Paris. Die Grossen der klassischen Moderne, Picasso, Matisse, Braque, Léger, Chagall, Miro gingen hier aus und ein und schufen die Lithographien für die Plakate ihrer Ausstellungen. – An der Côte d’Azur, wo es in der Nachkriegszeit keine Litografischen Anstalten gab, verwendete Picasso die Technik des Linolschnittes welche auf einer Buchdruckpresse einfach hergestellt wurden.
 
Die Einführung des Offsetdrucks in den 60er Jahren beendete die Phase der Lithographieplakate beinahe abrupt. Erst mit ihrem Verschwinden wurde der Kunstwelt deren Originalität und Wert bewusst. Aber da war der grösste Teil der Plakate verschwunden, überklebt, von der Witterung zerstört. Einzelne Plakate von Picasso, Chagall, Miro oder Braque sind  heute kaum mehr aufzufinden. Nicht zu reden von den ersten Künstlerplakaten von Chéret, Manet, Toulouse-Lautrec und Bonnard.
 
 
Doch Künstler schufen und schaffen weiterhin Plakate. In den USA springen vor allem Andy Warhol und Keith Haring, in Europa Max Bill, Friedensreich Hundertwasser, Horst Jansen und HAP Grieshaber  mit ihren Plakaten ins Auge. – Das  Künstlerplakat überbrückt auf seine Art die Kluft, die zwischen dem zweckfreien Kunstwerk und der Gebrauchsgraphik besteht.
 
Die Plakatsammler unterscheiden drei verschiedene Kategorien von originalen Künstlerplakaten:
 
Original - Plakat
Plakat welches unter Mitwirkung  und Anweisung des Künstlers entsteht.
 
Plakat mit Originalentwurf
Der Künstler hat die Bildvorlage eigens für dieses Plakat entworfen. Die Übertragung auf den Lithostein erfolgte aber nicht durch den Künstler, sondern durch einen Lithografen.
 
Original - Grafik - Plakat
Plakat bei dem der Künstler das Bild selbst auf den Lithostein aufbringt. In diesem Fall handelt es sich um eine Originalgraphik, welche im Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt ist.
 
 
 
 
 
  • Sammlung Picasso / Mourlot , Ältestes Plakat  von Picasso, 1897

    Ältestes Plakat von Picasso, 1897


        

    Els Quatre Gats (katalanisch; dt. „Die vier Katzen“) war zwischen 1897 und 1903 ein Café und Kabarett in Barcelona, Spanien. Es wurde bekannt durch den Besuch verschiedener spanischer und katalanischer Künstler wie Pablo Picasso und Isidre Nonell.

         Els Quatre Gats wurde am 12. Juni 1897 als Café, Brasserie und Kabarett durch Pere Romeu gegründet. Es liegt im Erdgeschoss des vom Architekten Josep Puig i Cadafalch entworfenen Jugendstilhauses Casa Martí im Zentrum Barcelonas an der Carrer de Montsió.
         Der Künstler Ramon Casas finanzierte zum großen Teil das Unternehmen. Der Name leitet sich vom Künstlercafé Le Chat Noir („Die schwarze Katze“) in Paris ab, in dem Pere Romeu als Performer / Künstler gearbeitet hatte. Kunstausstellungen, literarische und musikalische Darbietungen sowie auch Marionetten- und Schattenspiele standen auf dem Programm.
    Els Quatre Gats war der Treffpunkt in Barcelona für die Künstler des Modernisme, der katalanischen Form des Jugendstils. Dessen bekannteste Vertreter waren Santiago Rusiñol, Ramon Casas und Miquel Utrillo. Zahlreiche junge Künstler schlossen sich an, wie beispielsweise Pablo Picasso, der hier seine ersten Einzelausstellungen im Februar und Juli des Jahres 1900 realisierte. Ebenso Julio González, Pablo Gargallo, Carlos Casagemas und Jaime Sabartés, die alle Freunde Picassos waren.

        Picasso entwarf 1897 als 17 - Jähriger drei Plakate im katalanischen Jugenstil für Quatre Gats. Pere Romeu hat einen Entwurf als Deckblatt für
    eine seiner Speisekarte übernommen.
    Die Originalvorlage befindet sich im Picasso-Museum in Barcelona.
    Ob die zwei andern Entwürfe ausgeführt wurden ist nicht bekannt.


         Nachdem Els Quatre Gats im Jahr 1903 geschlossen worden war, verfiel das Gebäude. Nach dem Tod Francos und der darauf folgenden Demokratisierung in Spanien wurde es restauriert und 1978 als Restaurant neu eröffnet.

  • Sammlung Picasso / Mourlot , Komplettes Verzeichnis aller Picasso Originalplakate

    Komplettes Verzeichnis aller Picasso Originalplakate


    Als Original-Künstlerplakate werden bezeichnet:

    a) Plakate,
        

    die mit Einverständnis und unter Mitwirkung des Künstlers entstehen.
     

    b) Originalentwürfe

        sind Plakate, für die der Künstler eigens eine Bildvorlage erstellt, das Bild aber
        durch einen Lithografen übertragen wird.

     

    c) Original - Grafik - Plakate

        sind Plakate bei denen der Künstler den Druckstock eigenhändig herstellt
        und den Andruck des Plakates durchführt. In diesem Falle gilt das Plakat
        als Originalgrafik und wird im Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt.

     Folgende Werkverzeichnisse sind Vorlage für die unten  aufgeführten 119  Originalplakate:

    Werkverzeichnis von Luis Carlos Rodrigo (englisch) Verlag Arte 1992
    Werkverzeichnis von Czwiklitzer, Plakate von Picasso 1923 - 1973, dtv 1981
    Mourlot "Les affiches des mâitre de l'école de Paris", André Sauret 1959


    Keines dieser Verzeichnisse ist vollständig.

     

    Im Rodrigo Werkverzeichnis fehlen: 

    dtv 7, 9, 12, 20 und 54
    Mourlot S. 64 und 65


    In Czwiklitzer  Werkverzeichnis fehlen:

    Quatre Gats
    Rodrigo Nr. 001, 088, 140, und 158
    Mourlot S. 64 und 65


    Im Mourlot (Les affiches des mâitres de l'école de Paris) sind zusätzlich die Plakate Seite 64 und 65 von "Exposition Hispano Americaine" als Originalplakate aufgeführt.

    Galerie Am Spalenberg
    Werner Röthlisberger

  • Sammlung Picasso / Mourlot , Mourlot, Kunst im Plakat

    Mourlot, Kunst im Plakat


    Die Sammlung der 102 Original-Künstlerplakate   

    Unter dem Titel

    "Affiche originales des Maitres de l'Ecole de Paris "

    erschien 1959, ein Buch von Fernand Mourlot. 102 Plakate von Braque, Chagall, Dufy Léger, Matisse, Miro und Picasso, sind als Lihografien abgebildet.

    Als Original-Künstlerplakate werden bezeichnet:

    a) Plakate,
        

    die mit Einverständnis und Mitwirkung des Künstlers entstehen.
     

    b) Originalentwürfe

        sind Plakate für die der Künstler eigens eine Bildvorlage erstellt, diese
        aber durch einen Lithografen auf das Plakat übertragen wird.

    c) Original - Grafik - Plakate

        sind Plakate bei denen der Künstler den Druckstock eigenhändig herstellt
        und den Andruck des Plakates durchführt. In diesem Falle gilt das Plakat
        als Originalgrafik und wird im Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt.


    Galerie Am Spalenberg
    Werner Röthlisberger